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10.01.2012, 17:20 Uhr | Sabine Frick / Ludwigsburger Kreiszeitung vom 07. Januar 2012 Übersicht | Drucken
„Nur Europa bietet eine Zukunft“
Günter Oettinger auf dem Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbands Ludwigsburg

Mitten in der Finanzkrise und zu Beginn eines Jahres, in der die Verschuldung vieler Euro-Länder weiter zu den dominierenden Themen gehören wird, hat Günther Oettinger beim Neujahrsempfang der Kreis-CDU in Markgröningen ein flammendes Plädoyer für ein geeintes und einiges Europa gehalten.



Bild: Ramona Theiss/LKZ
 
Markgröningen -

In seiner rund 45-minütigen Rede vor den etwa 300 Besuchern des Neujahrsempfangs in der Stadthalle skizzierte der EU-Kommissar für Energie am Donnerstagabend sein Europabild. Um im globalen Konzert sowohl politisch als auch wirtschaftlich mitspielen zu können, sei Europa „die untere Betriebsgröße“, um neben den beiden Weltmächten USA und China bestehen zu können. Oettinger erinnerte daran, dass Deutschland gerade mal ein Prozent der Weltbevölkerung stelle, Europa fünf Prozent. „Und wenn Sie an einem Unternehmen ein Prozent der Aktien halten, dann werden Sie einmal im Jahr zu Hauptversammlung eingeladen und kriegen dort Würstchen, Senf, Brot und ein Bier. Das Bier aber nur, wenn das Jahr gut gelaufen ist“. Mit diesem Bild verdeutlichte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident, wie wichtig aus seiner Sicht Europa für Deutschland, aber auch für Baden-Württemberg ist: Nur wer mehr als fünf Prozent hat, kann auch in den Aufsichtsrat kommen.


Eine klare Haltung forderte der 58-Jährige auch von seinem Heimatland: Schließlich sei Baden-Württemberg das „Exportland Nummer eins“, deshalb müsse auch von hier ein besonderer Impuls zur Erhaltung der EU und des Euro ausgehen. Große Anstrengungen auf wirtschaftlichem Gebiet seien aber in allen Ländern der EU notwendig, um „in einem knallharten, aber fairen Wettbewerb“ mit aufstrebenden Ländern wie China, Brasilien oder Indien bestehen zu können. „Ganz Europa muss ein Industriestandort werden“, forderte Oettinger, ebenso wie Investitionen in Ausbildung und Forschung: „Wir müssen den Unternehmen Nährboden geben, damit sie hier bleiben“.

Blieb noch Oettingers ureigenes Thema, die Energie. Wie zufrieden oder unzufrieden er mit dem deutschen Ausstieg aus der Atomenergie ist, ließ er nicht erkennen. Nannte aber die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit von Strom auch bei einem stärkeren Einsatz von regenerativen Energien als zentrale Ziele. Und machte deutlich: „Es kann nur eine deutsche Energiepolitik geben, die europakompatibel ist“. Eine „Agenda 2020“ sei notwendig, „damit steigende Strompreise nicht eine De-Industrialisierung in Europa beschleunigen“.

 

 

Sabine Frick

Ludwigsburger Kreiszeitung vom 07. Januar 2012



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